Statement für transparente, faire und diskriminierungsfreie Schulempfehlungen
Verfasst am 19. Dezember 2025 um 12:12 Uhr
Statement des Kölner Forums gegen Rassismus und Diskriminierung für transparente, faire und diskriminierungsfreie Schulempfehlungen
Das Kölner Forum gegen Rassismus und Diskriminierung setzt sich für Chancengerechtigkeit, Transparenz und gleichberechtigte Teilhabe ein. Vor diesem Hintergrund möchten wir auf bestehende Problemlagen im Zusammenhang mit Schulempfehlungen an Grundschulen aufmerksam machen.
Aktuelle Rückmeldungen von Eltern sowie wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Schulempfehlungen nicht immer konsistent, nachvollziehbar frei von Diskriminierung erfolgen. Da die Grundschulempfehlung eine zentrale Weichenstellung für die weitere Bildungsbiografie darstellt, kommt ihrer Qualität eine besondere Bedeutung zu.
Ausgangslage und Problembeschreibung
In der Praxis zeigt sich, dass Schulempfehlungen teilweise von objektiven Leistungsdaten abweichen.
Viele Kinder, die kontinuierlich sehr gute schulische Leistungen erbringen, erhalten dennoch Empfehlungen, die im Widerspruch zu ihrem dokumentierten Leistungstand stehen.
Begründet wird dies häufig mit Aspekten wie Arbeitsverhalten, angeblichem Arbeitstempo, vermeintlich „zu vielen Fragen“ oder fehlende Lernunterstützung durch das Elternhaus, z.B. aufgrund von Sprachbarrieren oder fehlenden finanziellen Mitteln für Nachhilfe. Faktoren, die in den vorangegangenen Schuljahren nicht dokumentiert oder kommuniziert wurden. Diese Praxis wirft grundlegende Fragen auf:
- Werden Bewertungskriterien einheitlich, transparent und überprüfbar angewendet?
- Bilden dokumentierte Leistungen tatsächlich die Grundlage für die Empfehlung?
- Werden alle Kinder unabhängig von Herkunft, Persönlichkeit oder Lernstil gleich bewertet?
Solange solche Fragen unbeantwortet bleiben, besteht das Risiko eines Vertrauensverlusts in schulische Entscheidungsprozesse.
Relevante Forschung: Die „Max-und-Murat“-Studie
Die bekannte „Max-und-Murat“-Studie hat gezeigt, dass identische schriftliche Leistungen von Lehrkräften unterschiedlich bewertet werden, abhängig davon, ob das Kind einen typisch deutschen oder einen migrantisch konnotierten Namen trägt.
Kernergebnisse der Studie:
Lehrkräfte ordnen identischen Texten mit dem Namen „Murat“ signifikant schlechtere Noten zu als denselben Texten mit dem Namen „Max“.
- Bewertungsunterschiede entstehen unbewusst, sind aber dennoch folgenschwer.
- Herkunftsbezogene Vorannahmen beeinflussen Erwartungen und Bewertungen – auch bei erfahrenen Lehrkräften.
Diese Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung von reflektiertem, bias-bewusstem und diskriminierungsfreiem pädagogischem Handeln.
Sie zeigen, dass strukturelle Ungleichbehandlungen entstehen können, ohne dass eine bewusste Intention vorliegt.
Position des Kölner Forums gegen Rassismus und Diskriminierung
Das Kölner Forum vertritt die eindeutige Auffassung, dass Schulempfehlungen stets transparent, nachvollziehbar, konsistent, objektiv und frei von Diskriminierung erstellt werden müssen. Dies gilt nicht nur für die Stadt Köln, sondern in gleicher Weise auch auf bundesweiter Ebene. Ziel ist es, sicherzustellen, dass jede Schülerin und jeder Schüler unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialen Hintergrundes faire und gerechte Bildungschancen erhält.
Wir erwarten, dass:
- die dokumentierten Leistungen der vergangenen Schuljahre die zentrale Grundlage für die Empfehlung bilden,
- Hinweise zu Arbeits- oder Lernverhalten frühzeitig und kontinuierlich kommuniziert werden und nicht erst im Empfehlungsgespräch auftauchen,
- subjektive Eindrücke nicht über objektive Leistungsnachweise gestellt werden,
- Kinder mit unterschiedlichen Persönlichkeits- und Lernstilen wertschätzend und nicht defizitorientiert wahrgenommen werden,
- Herkunft, Name, kultureller Hintergrund oder individuelle Lernstrategien keinen Einfluss auf die Empfehlung haben,
- Schulen sich aktiv mit Forschung zu unbewussten Vorurteilen auseinandersetzen und entsprechende Fortbildungen regelmäßig wahrnehmen.
Forderungen des Kölner Forums gegen Rassismus und Diskriminierung
Um Fairness und Transparenz sicherzustellen, fordert das Kölner Forum:
- Einheitliche und verbindliche Kriterienkataloge: Schulempfehlungen sollen verbindlich an dokumentierte Kriterien gebunden sein, die den Eltern frühzeitig offengelegt werden.
- Verpflichtende Dokumentation von Lern- und Arbeitsverhalten: Einschätzungen zum Arbeits- und Lernverhalten müssen über das gesamte Schuljahr schriftlich festgehalten werden. Überraschende oder neue Argumente im Empfehlungsgespräch sind unzulässig.
- Transparente Kommunikation mit Eltern: Eltern müssen zeitnah informiert werden, wenn Auffälligkeiten auftreten, damit gemeinsame Lösungsstrategien entwickelt werden können.
- Fortbildungen zu Bias, Diversität und diskriminierungsfreiem Handeln: Alle Grundschulteams sollen regelmäßig an Fortbildungen zu unbewussten Vorurteilen, machtkritischer Sensibilität und fairer Leistungsbewertung teilnehmen.
- Institutionelle Qualitätssicherung: Schulleitungen und Schulaufsichten sollen interne Prozesse überprüfen, um sicherzustellen, dass Empfehlungen sachgerecht und diskriminierungsfrei erfolgen.
Schlussfolgerung:
Schulempfehlungen prägen Bildungswege und damit Lebenswege. Sie dürfen daher weder Zufallsprodukt noch das Ergebnis subjektiver oder unbewusster Vorannahmen sein.
Das Kölner Forum setzt sich dafür ein, dass alle Kinder unabhängig von Herkunft, Lernstil, Persönlichkeit oder individuellen Ausdrucksformen eine faire Chance auf die weiterführende Schule erhalten, die ihrem Potenzial und ihren Leistungen entspricht.
Wir rufen Schulen, Behörden und politische Entscheidungsträger_innen dazu auf, gemeinsam eine Kultur der Transparenz, Professionalität und Chancengerechtigkeit zu fördern.
































